Beteiligungskonzept

Das Leben hält eine Fülle von Lerngelegenheiten bereit für Kooperationen, Verständigung und Respekt gegenüber anderen und der Natur. Dringend notwendig ist die Entwicklung und Einhaltung der sozialen Regeln und Vereinbarungen und die Aufarbeitung sozialer Konflikte und Probleme auf der und gemeinsamen Suche nach fairen und friedlichen Lösungen.
Beteiligung, das Recht auf Teilhabe und das Recht auf einen partnerschaftlichen Umgang, der die gegenseitigen Grundrechte und Bedürfnisse achtet und vor Verletzungen wie Enttäuschungen schützt, ist eine der wesentlichen Grundlagen für eine gelingende Erziehung und für die Entwicklung und Ausbildung der autonomen Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen, die wir in unserer Einrichtung betreuen. Die Partizipation schließt die Eltern und Sorgeberechtigten ein und hat kontinuierliche Auswirkung auf die pädagogische Grundeinstellung unserer Mitarbeiter/-innen
Die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen an Entscheidungen und ihre Mitwirkung stellt unterschiedliche Anforderungen an die Rolle und Aufgabenbereiche der einzelnen Fachkräfte und der Leitung. Die Leitungsstruktur ist transparent und flach und die Fachkräfte sind in ihre eigene Haltung gegenüber den Kindern und Jugendlichen reflektiert und entwickeln bei Bedarf neue Strategien und Strukturen.
Diese finden sich wieder:

  • Leitbild und Trägerkultur
  • Konzeptentwicklung- Auswertung und Anpassung
  • Individuelle Hilfeplanung, Förderpläne und Weiterentwicklung
  • Dokumentationen wie Berichte und Protokollen
  • Regelmäßige Teambesprechungen
  • Regelmäßige Supervisionen und Weiterbildungen
  • Elterngesprächen
  • Beschwerdemanagement

Beteiligung und Teilhabe der Kinder und Jugendlichen

Der Träger nimmt selbstverständlich die Aufforderung der UN-Kinderrechtskonvention – Übereinkommen über die Rechte des Kindes – in Artikel 12 die Berücksichtigung des Kindeswillens als Aufgabe an. Kindern und Jugendlichen wird zugesichert, sich in allen sie betreffenden Angelegenheiten frei äußern zu können und ihre Meinung alters- und entwicklungsgemäß angemessen zu berücksichtigen.
„Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Meinung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden Angelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes angemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife“. (UN-Kinderrechtskonvention – Übereinkommen über die Rechte des Kindes)

Kinderschutzgesetz

Jedes Projekt und jeder Bereich achtet daher auf die angemessene altersgemäße Beteiligung der Kinder und Jugendlichen entsprechend des Erziehungsauftrages.

1. Die Ebene der Kinder und Jugendlichen

Ziele der Beteiligung

Stärkung des Selbstbewusstseins und Stärkung des Ich- und Wir – Gefühls

Die Kinder und Jugendlichen entwickeln sich als eigenständige Personen, treffen eigene Entscheidungen als wichtigen Schritt zur Prägung der Ich-Identität, üben Dialoge und Kommunikation als wichtige Ausdrucksform und übernehmen Verantwortung.

Übung in Demokratie

Die Kinder und Jugendlichen erleben Demokratie und üben durch Prozesse wie Diskussion, und Mehrheitsbeschlüsse Transparenz, Selbstverpflichtung und Überprüfungsmechanismen eine lebendige Demokratie.

Selbständigkeit

Eine Kultur der Mitbestimmung und aktive Beteiligung veranlasst Kinder und Jugendliche zu Eigenmotivation. Sie gestalten alltägliche Abläufe, Regeln und Geschehnisse verantwortlich mit und übernehmen dafür Verantwortung.

Akzeptanz und Erkennung der Konsequenzen des eigenen Handelns

Mitbestimmung und Selbstwirksamkeit stärken die eigene Motivation und Willenskraft. Kinder und Jugendliche Erkennen in der Ausübung die Wirkungen und Stärken, Probleme und Steuerungsmöglichkeiten.

Kritikfähigkeit und Akzeptanz anderer Meinungen

Kinder und Jugendliche üben angemessen Kritik zu äußern und lernen selbst mit Kritik besser umzugehen.

Vertretung eigener Meinung und Kompromissfindung

Kinder und Jugendliche lernen die eigene Meinung zu vertreten und dass nicht nur ihre Meinung zählt, sie üben Mehrheitsbildung und Kompromisse einzugehen.

Eine gemeinsame wertschätzende Sprache sprechen

Die Zusammenarbeit zwischen den Kindern/ Jugendlichen und Fachkräfte scheitert häufig daran, dass beide unterschiedliche Sprachen sprechen.
Die Fachkräfte verwenden ganz selbstverständlich Fachausdrücke und Fremdwörter, die den Kindern und Jugendlichen nicht geläufig sind. Viele Kinder und Jugendliche erfragen nicht die Begrifflichkeit, wenn sie ein Wort nicht verstehen.
In der Zusammenarbeit mit den Kindern und Jugendlichen müssen gemeinsam und fortwährend Ansätze entwickelt werden, welche den kommunikativen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen entsprechen und die wertschätzen.
Ein besonderes Anliegen ist die Achtsamkeit auf gewaltfreie und nicht diskriminierende Sprache sowie die Achtsamkeit auf den Gender. Die Umgangssprache muss hinterfragt werden.

Kinder in ihre Unterschiedlichkeiten wahrnehmen

Alle Kinder und Jugendliche sind Individuen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Bedürfnissen. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund und aus Flüchtlingsfamilien und natürlich für Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen.
Alle werden bestärkt ihre eigenen Bedürfnisse zu entdecken, ihre Interessen einzubringen und zu vertreten.

Indikatoren für eine gelungene Partizipation

  • Die Kinder und Jugendlichen wissen um ihre Rechte zur Mitbestimmung und Mitwirkung
  • Die Kinder und Jugendlichen entwickeln Eigenaktivitäten
  • Alle Kinder und Jugendlichen haben sich an den Beteiligungsprozessen beteiligt.
  • Kinder und Jugendlichen treffen Entscheidung, woran sie sich beteiligten möchten und wo nicht
  • Die Fachkräfte beobachten regelmäßige Beteiligungsprozesse
  • Die Kinder und Jugendlichen zeigen Interesse an Beteiligungsprozessen und vertreten dies offensiv
  • Alle sprechen eine gewaltfreie und wertschätzende Sprache

Formen der Partizipation

Die Formen der Beteiligung sind abhängig vom Alter und der Zielsetzung der Projekte und deren Rahmenbedingung. In allen Bereichen ist es jedoch notwendig die Kinder und Jugendlichen mit ihrem eigenen Interessen und Werten einzubeziehen und an den Entscheidungsprozess teilhaben zu lassen, um zu passenden Lösungen zu kommen.
Allgemein lassen sich folgende Formen der Beteiligung unterscheiden

Projekt bezogene Beteiligung

Die Kinder und Jugendlichen befassen sich in einem zeitlichen überschaubaren Rahmen mit einem klaren abgesteckten Thema.
Raum- und Möbelgestaltung

  • Mitsprache bei der Planung der Inhalte und deren Umsetzung
  • Auswertungsgespräche und Feedbackrunden als Ausgangslage für neue Planungen
  • Gruppengespräche
  • Mediationen
  • Wunsch und Meinungsboxen

Achtsamkeit auf das Kind und den Jugendlichen

  • Die Vertretung der Interessen der Kinder und Jugendlichen durch Erwachsene kann die Beteiligung bzw. Partizipation von Kindern und Jugendlichen nicht ersetzen. Kinder und Jugendliche sind stets Experten in eigener Sache. Häufig wissen sie selbst am besten, was sie brauchen und was für sie richtig ist. Kinder und Jugendliche nehmen ihre Umwelt anders als Erwachsene wahr, und sie haben ihre ganz eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Die Mitarbeiter/-innen wissen um diese Diskrepanz und unterstützen die Kinder und Jugendlichem im Prozess.
    • In der Hilfeplanung
    • In Förderplänen
    • Elterngesprächen
    • Krisengesprächen
    • Konflikten
  • Eine besondere Achtsamkeit gilt der Partizipation der Kinder und Jugendlichen im Rahmen des Kinderschutzes bei den Indikatoren Verwahrlosung, Missbrauch, Gewalt, Aufsichtspflichtverletzung.
    Die Regelungen sind:

    • Grundsätzliche Wahrnehmungsschärfung für alle Mitarbeiter/-innen für die Erscheinungsformen der Gefährdung von Kindern und Jugendliche
    • Grundsätzliche Besprechung dieser mit einer insoweit erfahrenen Fachkraft oder Koordination
    • Reflektion und Selektion der eigene Wahrnehmung und Hinwendung auf die Bedürfnisse des Kindes und Jugendlichen
    • Altersgerechte Einbeziehung und Achtung der Wünsche, Bedürfnisse und Entscheidungen des Kindes und Jugendlichen
    • Dauerhafter Fortbildungs- und Entwicklungsbedarf im Träger
  • Der präventive Ansatz der Sozialarbeit gegen Gewalt und Missbrauch ist die Erziehung der Kinder und Jugendlichen zur frühzeitigen Wahrnehmung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse und gewaltfreie wie kompromissgesteuerte Umsetzung dieser. Dazu gehören die Wahrnehmung der eigenen Grenzen und der Respekt vor anderen. Bereits in der frühkindlichen Erziehung kann darauf hingewirkt werden und zu jedem Zeitpunkt positiv angeregt werden.
    Die wichtigsten Aspekte für die Arbeit ist der kontinuierliche fachliche Entwicklungsprozess mit allen Mitarbeitern zu den Querschnittsthemen:

    • Verhaltenskodex zum Kinderschutz bei den Mitarbeiter/-innen
    • Umgang mit Gender
    • Sexualpädagogische Konzept

Qualitätssicherung der Partizipation

Die Weiterentwicklung der Partizipation ist ein Querschnittsthema und gehört mit zu den Aufgaben der Leitungen. In unserem Träger sind alle Mitarbeiter/-innen an der Entwicklung zu diesen Konzepten laufend in den Teams beteiligt.

  • Die Vorschläge und Zusammenfassungen der Leitungen werden diskutiert und abgestimmt- dadurch sind die Prozesse langfristig angelegt und nachhaltig.
  • Die Mitarbeiter/-innen reflektieren die Inhalte in Weiterbildungen und Supervision
  • Die Mitarbeiter/-innen sind im wertschätzenden Umgang miteinander und den Eltern
  • Die Anregungen für die Konzepte fließen laufend ein.

2. Die Ebene der Eltern

Unser Leitbild

„Wir sind der Überzeugung, dass alle Menschen über Stärken verfügen, die persönliches Wachstum und Lebensfreude ermöglichen. Wichtig ist uns dabei die Vielfalt von Lösungen, die individuelle Lebensentwürfe respektiert und adäquate Förderung zulässt.
Ausgehend von dieser ressourcenorientierten Perspektive unterstützen wir Menschen, die zu uns kommen, Spielräume für Veränderungen zu schaffen, um eigene Kompetenzen und Selbstverantwortung zu wecken.
Horizonte gGmbH hat es sich zur Aufgabe gemacht, differenzierte lebensweltorientierte Hilfeangebote zu gestalten, die auf Freiwilligkeit, gegenseitigem Verständnis und Vertrauen basieren“

Leitungskultur

Ausgehend von unserem Leitbild achten wir darauf, dass wir eine transparente Leitungsstruktur und eine qualifizierte Personalentwicklung pflegen und alle Mitarbeiter/-innen zur persönlichen wir beruflichen Weiterentwicklung und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben anregen.
Wir stellen in der Regel unbefristet ein, achten auf die gleichberechtigte Bezahlung nach Tarif, sorgen durch flexible Stundengestaltungen für flexible familiäre Lösungen und zahlen die Fortbildungen und Weiterbildungen. Reflektion von Fehlern und schwierigen Situationen ist ein großes Potential und darf angstfrei in Supervisionen und Mitarbeitergesprächen angesprochen werden. Es zählt die Lösung und Weiterentwicklung.
Die Geschäftsführung versteht sich nicht nur als Zentrum, sondern auch als Beispiel und ist Teil der Reflektion und Weiterentwicklung. Sie sorgt für die Strategische Aufstellung des Trägers und die Qualität der Arbeit und die Bearbeitung der Querschnittsaufgaben.
Gleichberechtigung, Gender, Integration, Partizipation, etc.
Unser Leitbild spiegelt sich wieder in unserer Unternehmenskultur, die ein offenes Miteinander und klare Entscheidungsbefugnisse Ebenen beinhaltet. Wir bemühen uns um schnelle Lösungen individueller wie struktureller Probleme und lösen Beschwerden unmittelbar.

Organigramm

Organigramm

Die Partizipation der Eltern

Die Arbeit mit den Eltern beinhaltet die Kooperation mit den Eltern auf vielen Ebenen. Wir befinden uns immer in Erziehungspartnerschaften mit den Eltern für das Kind. Die Ausprägungen sind projektabhängig.
Wir achten die Eltern in ihrer Kompetenz und ihrem Erziehungsauftrag und sind in einer stetigen dem Projekt angemessenen Austausch über die Entwicklung und Beobachtungen oder Planungen. Die Eltern sind die Experten für ihre Kinder und wir begegnen ihnen auf Augenhöhe.

  • Regelmäßige Elterngespräche
  • Elternbriefe
  • Elternabende, Elterncafé
  • Elternbeirat
  • Transparente Berichte
  • Hilfeplanungen
  • Projektplanungen
  • Ideenfindung

Die Eltern wissen über ihre Möglichkeiten der Partizipation und nehmen sie laufend wahr über die

  • Kommunikation mit den Mitarbeiter/-innen
  • Die Koordinatorinnen
  • Die Geschäftsführung

Die Partizipation der Eltern im Kinderschutz

Arbeiten auf Augenhöhe bedeutet im Kinderschutz, die Wahrnehmung mit den Eltern (nach Rücksprache mit insoweit erfahrener Fachkraft) anzusprechen und ein entsprechendes lösungsorientiertes Schutzkonzept zu entwickeln sowie die Umsetzung zu Überprüfen und zu Dokumentieren.
Wenn das Netzwerk einbezogen muss, wird der Datenschutz beachtet.
Die Lösungsbereitschaft und die Entwicklungsschritte der Eltern zum Wohl des Kindes werden wertschätzend zur Kenntnis genommen
Diese Wertschätzung findet sich auch in den Fallbesprechungen und möglichen Supervisionen wieder und auch hier wird der Datenschutz beachtete.

Beschwerdemanagement

Jeder Konflikt / Beschwerde wird gehört und zur Klärung die nächst höhere Ebene hinzugezogen. Die Konflikte/ Beschwerden der Mitarbeiter/-innen, Koordinator/-innen werden in Supervisionen bearbeitet. In akuten Fällen und bei längeren Prozessen wird der/die zuständige Sachbearbeiter/-in des Jugendamtes in Kenntnis gesetzt.

Beschwerde über wen
Jugendamt Sachbearbeiter/-in KO/GF
Gewünscht: Gruppenleitung
KO/GF GF
Gewünscht: Gruppenleitung
Geschäftsführung Jugendamt SachbearbeiterIn
Gewünscht: Gruppenleitung
Träger Träger
Koordination GF GF GF
Mitarbeiter/-in KO KO/GF GF
Eltern MA KO GF
Eltern Mitarbeiter/-in Koordination VFP (KO)
Wer hat den Konflikt